„Freundliches Nebeneinander“ mit Mormonen

Die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ spielt in der Beratungsarbeit von Weltanschauungsreferenten eine untergeordnete Rolle. Das Verhältnis zwischen evangelischer Kirche und den Mormonen kann als „freundliches Nebeneinander“ charakterisiert werden.

Linda fragt: Mormonen

Die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ spielt in der Beratungsarbeit des evangelischen Weltanschauungsreferenten Oliver Koch nur eine untergeordnete Rolle. Von den rund 400 Anfragen, die er jährlich erhalte, bezögen sich lediglich drei bis vier auf diese 1830 in den USA gegründete Neuoffenbarungsreligion, sagte Koch am Freitag nach einem Besuch in deren Tempel in Friedrichsdorf im Taunus. Es meldeten sich vor allem Eltern, deren Kinder etwa bei einem USA-Aufenthalt missioniert worden seien. Das Verhältnis zwischen evangelischer Kirche und den Mormonen könne als „freundliches Nebeneinander“ charakterisiert werden, sagte Koch, der Referent für Weltanschauungsfragen der kurhessischen und hessen-nassauischen Landeskirche am Zentrum Oekumene in Frankfurt ist.


Tage der Offenen Tür und Wiedereinweihung

Der „Frankfurt-Tempel“ in Friedrichsdorf wurde seit April 2015 grundsaniert und ist deshalb erstmals seit 1987 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Er kann noch bis 28. September besichtigt werden. Die Wiedereinweihung sei für den 20. Oktober vorgesehen, sagte Pressesprecher Ralf Grünke. Sie werde wahrscheinlich von dem Deutschen Dieter F. Uchtdorf vorgenommen, der dem zweithöchsten Führungsgremium der Kirche, dem Kollegium der Zwölf Apostel, angehört. Danach sei der Tempel wieder für Nicht-Mitglieder tabu. Koch begrüßte die Tage der offenen Tür bei den Mormonen, weil dadurch einer Mythenbildung über geheime Tempelrituale entgegengewirkt werde. Gleichwohl hätten die Gastgeber bei seinem Besuch mit Mitgliedern des Arbeitskreises Weltanschauungsfragen und Vertretern aus Landesministerien keine Details über Praktiken und Textinhalte verraten. Insgesamt gebe es wenig Neues aus dem Innenleben der Kirche zu berichten. Er und seine Kollegen hätten allerdings minimale Veränderungen beim Frauenbild wahrgenommen. Frauen träten dort mittlerweile selbstbewusster auf als früher, sagte Koch.


Bedeutung

Die Tempel der Kirche Jesu Christi unterscheiden sich von den Gemeindehäusern, in denen die Mitglieder sonntags zum Gottesdienst zusammenkommen. Sie gelten als „Häuser des Herrn“. Dort finden etwa die von Mitgliedern stellvertretend für Verstorbene vorgenommenen Taufen und die auf Ewigkeit angelegten Eheschließungen, die sogenannten Versiegelungen, statt.

 
Hintergrund

Der Frankfurt-Tempel ist nach Angaben von Grünke nach dem Freiberg-Tempel in Sachsen der zweite auf deutschem Boden. Er werde hauptsächlich von Kirchenmitgliedern aus dem Westen Deutschlands, Österreich, Bahrain, den Vereinigen Arabischen Emiraten, Kroatien, Serbien und Slowenien genutzt. Weltweit seien 209 Tempel entweder in Betrieb, in Bau oder angekündigt, 16 davon befänden sich in Europa. Derzeit gebe es in Deutschland rund 40.000 getaufte Mitglieder, die sich auf 152 Gemeinden verteilen. Weltweit seien es rund 16 Millionen Kirchenmitglieder, davon allein sechs Millionen in den USA.

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