
Nach 12 erfolgreichen Jahren in Berlin startet die Initiative meet2respect jetzt auch in Hessen. Ziel ist es, Referierende auszubilden, die mit Schulklassen Workshops durchführen und Lehrkräfte fortbilden – für Respekt, interreligiösen Dialog und ein friedliches Miteinander. Unterstützt wird das Projekt vom Hessischen Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen, von der Justus-Liebig-Universität Gießen sowie dem Zentrum Oekumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.
Ein beteiligter Imam erklärt: „Meet2Respect heißt ja soviel wie Treffen, um sich zu respektieren, kennenlernen, um sich zu respektieren. Das heißt, das ist nicht nur für Berlin, wo das Projekt gestartet ist oder für Hessen. Eigentlich ist der Grundgedanke, dass alle Menschen mit eingeschlossen werden sollen. Hier ist es aber insbesondere auch die Religion und der Schwerpunkt auf Tandems von Imam und Rabbiner. Manchmal auch im Tridem Imam, Rabbiner, Pfarrer oder Pfarrerin. Oder auch muslimisch-jüdisch-christliche Vertretungen, es muss nicht unbedingt ein Geistlicher sein. Es geht darum, dass man Offenheit, Toleranz und Verständnis füreinander entgegenbringt, indem man beim ABC der Religion anfängt. Trotz aller Konflikte auf der Welt lernen wir uns kennen – auf gleicher Augenhöhe. So kann man Grundwissen schaffen, Vorurteile abbauen und aufeinander zugehen. Wir sind dankbar, dass Hessen offen war und es ermöglicht hat, dass wir hier ansetzen können.“
Ein Rabbiner ergänzt: „Pfarrer Andreas Goetze vom Zentrum Oekumene hat das Projekt sehr vorangetrieben und uns unterstützt. Als Referent für den Interreligiösen Dialog mit dem Schwerpunkt Islam und Christ*innen im Nahen Osten ist ihm dieser Dialog wichtig – genauso wie uns. Er hat die Kontakte geknüpft mit jüdischen, muslimischen Referent*innen, mit dem Ministerium und mit der Justus-Liebig-Universität in Gießen.“
Der Ursprung von meet2respect liegt in Berlin: Gegründet wurde die Initiative 2013, nachdem ein Rabbi in der Öffentlichkeit beleidigt und angegriffen worden war. Seitdem setzen sich die Beteiligten für Begegnung und Dialog ein – insbesondere von Jüdinnen und Juden mit Musliminnen und Muslimen.
Zentral ist das Imam-Rabbi-Tandem-Modell: Jüdische und muslimische Referent*innen besuchen gemeinsam Schulklassen, erzählen aus erster Hand von ihren Religionen, beantworten Fragen und regen dazu an, Vorurteile zu hinterfragen. Lehrkräfte berichten, dass diese Besuche langfristig wirken und selbst in konfliktreichen Diskussionen für Deeskalation sorgen.
Ein beteiligter Rabbiner betont die Relevanz für Schulen: „Gerade jetzt gibt es sehr viele Vorurteile. Der Nahostkonflikt ist emotional sehr beladen. Das versuchen wir ein bisschen runterzubringen – zu zeigen, dass beide Religionen sich ähnlich sind. Auf einer menschlichen Basis jemanden jüdischen kennenlernen, jemanden muslimischen kennenlernen, sich gegenseitig begegnen und respektieren. Eine andere Perspektive sehen, als die, die in den Medien oft polarisiert dargestellt wird. Hier erleben Schülerinnen und Schüler, dass es Vertreter*innen von beiden Religionen gibt, die miteinander sprechen, sich gegenseitig unterstützen und sich für Frieden einsetzen.“
Ein Imam dazu: „Lehrkräfte sind ja auch manchmal überfordert, wenn es um das Nahostthema geht oder um Religion allgemein. Und Schulen sind der Ort, wo Offenheit und Toleranz gelernt werden soll – von Jugend an, von Kindheit an. Da sind wir Unterstützer für Lehrkräfte, die manchmal externe Hilfe einfach brauchen.“
Neben den Schulbesuchen hat meet2respect immer wieder sichtbare Zeichen im öffentlichen Raum gesetzt. Eindrucksvoll waren etwa die Tandemtouren durch Berlin in den Jahren 2015, 2017 und 2018: Jüdinnen und Muslime fuhren dabei gemeinsam auf Tandemfahrrädern vom Holocaust-Mahnmal bis zum Bebelplatz. Diese Bilder gingen um die Welt – als starkes Symbol für Solidarität und gegen Ausgrenzung.
Darüber hinaus entwickelt meet2respect pädagogische Formate und digitale Angebote – darunter ein Selbstlernquiz, die Plattform Respekt verbindet und Fortbildungen für Lehrkräfte. In Forschungsprojekten trägt die Initiative dazu bei, das demokratische Potenzial religiöser Bildung zu stärken.
Mit der Ausweitung nach Hessen wird nun auch hier ein Netzwerk wachsen, das jüdische, muslimische und christliche Stimmen zusammenbringt – getragen von der Überzeugung: Gewalt und Hass haben keinen Platz in unserer Gesellschaft. Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrkräfte, können künftig selbst erleben, wie bereichernd es ist, wenn Imam und Rabbi Seite an Seite auftreten – als lebendiges Beispiel für Dialog, Vielfalt und Zusammenhalt.
Pfarrer Dr. Andreas Goetze
Interreligiöser Dialog - Islam, Christ*innen im Mittleren Osten
Tel.: +49 69 976518-69
Ritva Prinz
Sachbearbeitung Konfessionen, Religionen, Weltanschauungen
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Pfarrer Dr. Dr. Peter Noss
Interreligiöser Dialog - Judentum und Naher Osten
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