Nachhaltigkeitsforum fordert eine Ernährungs- und Landwirtschaftswende

Fast alle Nachhaltigkeitsziele der UN haben einen Bezug zum Thema Ernährung. Doch das Thema spaltet. Millionen Menschen weltweit leiden Hunger und sind mangelernährt. Gleichzeitig gibt es massive Lebensmittelverschwendung und eine wachsende

Zahl von Menschen, die an Fettleibigkeit und Fehlernährung leiden.

Ernährung mit Herz und Verstand

Ernährung ist ein sehr persönliches und zugleich hochpolitisches Thema. Die industrielle Landwirtschaft und der hohe Fleischkonsum verursachen gravierende ökologische Probleme, wie beispielsweise die Nitratbelastung im Boden und im Wasser, die Abnahme der Artenvielfalt sowie die Verletzung des Tierwohles. Auch die globalen sozialen Herausforderungen sind groß.

„An kaum einem anderen Thema wird die Spaltung der Menschheit mehr spürbar als beim Thema Ernährung.“, erläuterte Ruth Gütter, Referentin für Fragen der Nachhaltigkeit im Kirchenamt der EKD, beim 2. Nachhaltigkeitsforum der EKD. „Etwa 800 Millionen Menschen weltweit leiden Hunger und sind mangelernährt. Gleichzeitig gibt es eine massive Lebensmittelverschwendung und wachsende Zahl von Menschen, die an Fettleibigkeit und Fehlernährung leiden. Fast alle Nachhaltigkeitsziele der UN haben einen Bezug zum Thema Ernährung“, so Gütter weiter.

In den Vorträgen und Arbeitsgruppen des 2. Nachhaltigkeitsforums haben die Teilnehmenden aus Kirche, Diakonie und Zivilgesellschaft Themen wie Ernährungskultur, internationale Agrarpolitik, Welternährung, ökologische und soziale Kriterien für Landverpachtung, nachhaltige Ernährung in Großküchen und Kantinen, Rolle des Einzelhandels, ökofaire Beschaffung, theologische und ethische Aspekte von Ernährung eingehend diskutiert. Die Küche der Akademie Bad Boll, die seit 2003 als eine Bioküche zertifiziert ist, gehört selbst zu einem „best practice“ für eine nachhaltige Ernährung. Hier konnten die Teilnehmer einen guten Vorgeschmack auf eine nachhaltige Ernährung bekommen.

Die etwa 40 Teilnehmer und Teilnehmerinnen formulierten am Ende der Tagung eine Erklärung, in der sie zu einer Ernährungs- und Landwirtschaftswende aufriefen und dafür konkrete Forderungen an Politik, Landwirtschaft, Lebensmittelhandel und Kirche richteten. Ähnlich wie bei der Energiewende forderten sie z. B. ein „Ausstiegsszenarium aus der industriellen Landwirtschaft“. An die Kirchen richteten sie z. B. den Appell, bei der Verpachtung von Kirchenland den sozialen und ökologischen Kriterien einen Vorrang vor den ökonomischen Kriterien zu geben sowie mehr Mittel für die Umstellung von Kantinen auf eine nachhaltige Ernährung bereitzustellen. Im Jahr 2020 sollen Impulse dieser Erklärung im Rahmen eines weiteren Forums mit Vertretern aus Politik und (Land)Wirtschaft diskutiert werden.

Das zweite Nachhaltigkeitsforum der EKD wurde in Kooperation mit der Akademie der Versicherer im Raum der Kirchen sowie dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der württembergischen Kirche durchgeführt.

Die vollständige Erklärung des 2. Nachhaltigkeitsforums der EKD

<< Zurück