Die Ehrung fand anlässlich des Tages des Ehrenamts statt und würdigt ihr jahrzehntelanges Engagement für den christlich-jüdischen – und inzwischen abrahamischen – Dialog.
Geprägt von der Geschichte ihrer Familie
Petra Kunik wurde am 28. Juni 1945 in Magdeburg geboren, als Tochter jüdischer Eltern, die die Zeit der Shoah im Versteck überlebt hatten. Die Familie zog nach Kriegsende nach Frankfurt am Mai, wo sie eine neue Heimat fand.
In Frankfurt wuchs Petra Kunik gemeinsam mit ihrem Bruder auf. Die Erfahrungen ihrer Eltern – das Überleben im Verborgenen, die Unsicherheit der Nachkriegszeit und der schwierige Neubeginn – prägten die Familie tief. Diese familiäre Geschichte beeinflusste auch Kuniks späteres Engagement: Die Verantwortung, die Erinnerung wachzuhalten und Brücken zwischen religiösen Gemeinschaften zu bauen, ist für sie seit jeher ein persönliches Anliegen.
Aufwachsen in Frankfurt – frühe Prägungen
Als Kind begegnete Kunik in Frankfurt nicht nur den Geschichten ihrer Eltern, sondern auch einer Gesellschaft, die sich nur langsam mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit auseinandersetzte. Später wurde sie zu einer wachen Beobachterin der Frankfurter Auschwitz-Prozesse, deren Eindrücke sie bis heute in ihrer Bildungsarbeit beschreibt. Die Sicht einer jungen Zeitzeugin dieser Prozesse ist ein wesentlicher Bestandteil ihres Engagements gegen Antisemitismus.
Schon früh fand sie Ausdrucksmöglichkeiten in Sprache und Kunst. Sie wurde Schauspielerin, spielte u. a. zahlreiche Vorstellungen des „Kleinen Prinzen“ in der Titelrolle, und begann später auch zu schreiben. Die Verbindung von biografischer Erfahrung, Aufklärung und künstlerischem Ausdruck prägt ihre Arbeit bis heute.
Jahrzehnte des Engagements
Als erste jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Frankfurt machte Petra Kunik den christlich-jüdischen Dialog zu einem abrahamischen, indem sie ihn ausdrücklich um den Austausch mit Musliminnen und Muslimen erweiterte. Diese Ausweitung des Dialogs ist ein wesentlicher Verdienst Kuniks.
Einen besonderen Schwerpunkt legt Kunik seit vielen Jahren auf die Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen. In hunderten Veranstaltungen in Schulen erzählte sie offen über die NS-Zeit, das Leben ihrer Familie, die Bedeutung der Shoah und die Mechanismen des Antisemitismus – und stellte sich mutig den Fragen junger Menschen. Zahlreiche interreligiöse Podien tragen ebenfalls ihre Handschrift.
Darüber hinaus ist sie Mitglied im Gesprächskreis Juden und Christen beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken sowie Vorstandsmitglied des Abrahamischen Forums in Deutschland e. V.
Petra Kunik verbindet langen Atem, Offenheit und die Gabe, Menschen zu erreichen. Ihr Wirken prägt seit Jahrzehnten die interreligiöse Landschaft Frankfurts und Deutschlands. Wir freuen uns mit ihr über diese besondere Anerkennung.
Literatur:
Petra Kunik/Micha Brumlik: Reichspogromnacht. Vergangenheitsbewältigung aus jüdischer Sicht. Brandes & Apsel, 2. Auflage 1988; Der geschenkte Großvater. Büchergilde Gutenberg, 1989; Der Hohe Rabbi Löw Golm und sein Golem – Großmutter erzählt. Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 1998. Erinnerungskultur und Geschichtsbewusstsein. Hrsg.: Petra Kunik, Rolf Glaser und Susanna Faust-Kallenberg. Brandes & Apsel. Frankfurt am Main 2022.







