Synodaler Weg: Kirchenpräsident Volker Jung begrüßt Reformbestrebungen

Start des großen Reformprozesses "Synodaler Weg" in der katholischen Kirche: Kirchenpräsident Jung begrüßt das Vorhaben sehr, betont aber, dass alles vor allem an einer Sache hängt.

Segen im Abschlussgottesdienst für Bischof Bätzing und Volker Jung - in Hessen wird der nächste Ökumenische Kirchentag gefeiert

Evangelische Kirche setzt Hoffnung auf gelebte Ökumene

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, hat den bevorstehenden „Synodalen Weg“ der katholischen Kirche begrüßt und als „sehr wichtig“ bezeichnet. Ab Donnerstag treffen sich über 200 römisch-katholische Delegierte in Frankfurt am Main, um den Missbrauchsskandal weiter aufzuarbeiten und Reformen anzustoßen. „Wir begleiten den Synodalen Weg der katholischen Geschwister mit viel Sympathie und mit unseren Gebeten“, so Jung. Er sei der Versuch, „schwierige Themen im Diskurs miteinander zu beraten und dadurch auch Vertrauen wiederzugewinnen“, sagte der leitende Geistliche im Vorfeld der Tagung am Mittwoch (29. Januar) in Darmstadt.

Noch mehr Ökumene sichtbar leben

Jung schaue „mit großem Interesse und auch mit Spannung auf die Beratungen“. Vieles werde zugleich „davon abhängen, ob Ergebnisse erzielt werden, die dann auch in konkrete Reformschritte umgesetzt werden“. Jung: „Die Erwartungen und Hoffnungen sind groß. Deshalb wird der Synodale Weg auch die Vorbereitungen auf den Ökumenischen Kirchentag mit prägen. Viele Christinnen und Christen in beiden Kirchen wünschen sich, dass noch mehr Ökumene sichtbar wird und gelebt wird.“

Evangelium glaubwürdig verkündigen

Jung ist überzeugt, dass die evangelische und die katholische Kirche mehr verbinde als sie trenne. Jung: „Vielerorts gibt es längst eine gute ökumenische Gemeinschaft. Angesichts der vielen Herausforderungen in den Kirchen und in der Welt ist es gerade jetzt so wichtig, in ökumenischer Gemeinschaft das Evangelium glaubwürdig zu verkündigen und zu leben. Wir glauben, in Christus miteinander verbunden zu sein. Deshalb heißt für mich die entscheidende Frage: Wie können wir diese Einheit in Vielfalt miteinander leben? Wir müssen dazu nicht eine Kirche werden und auch nicht überall eine Gemeinde vor Ort. Aber wir können gemeinsam in Wort und Tat in dieser Welt leben, was wir durch Jesus Christus glauben, nämlich, dass Gottes Liebe allen Menschen gilt.“

Synodalen Weg nicht mit Erwartungen überfrachten

Gleichzeitig sei es aber auch wichtig, „den Prozess jetzt nicht mit vorschnellen  Erwartungen an die Ökumene zu überfrachten“. Jung: „Ich glaube, es geht zunächst einmal darum, sich innerkatholisch auf eine neue Linie zu verständigen. Wenn dabei sichtbar wird,  dass die beiden Kirchen viel mehr verbindet als sie trennt, wäre das ein hoffnungsvolles Signal.“ Es sei längst so, dass vielerorts in der Praxis eine gute ökumenische Gemeinschaft gelebt werde. Ein gutes Beispiel sei etwa die Hilfe für Flüchtlinge, bei der evangelische und katholische Gemeinden oft Hand in Hand zusammenarbeiteten.

Ökumenischer Kirchentag als Ausrufezeichen

Jung blickte auch auf den Ökumenischen Kirchentag im kommenden Jahr. Er erhoffe sich, „dass er ein Ausrufezeichen für eine Kirche der Zukunft wird. Das ist eine Kirche, die offen für neue Perspektiven ist, die ökumenisch denkt, glaubt und lebt, die Analoges und Digitales verbindet, die andere Kulturen und Religionen sensibel im Blick hat und sich den vielen Zweifelnden in Glaubensfragen neu zuwendet. Mir ist klar, dass wir daneben auch an den Fragen weiterarbeiten müssen, in denen wir uns unterscheiden.“

Abendmahl- und Amtsverständnis in Bewegung

Der evangelische Kirchenpräsident sieht auf dieser Basis auch beim Abendmahlsverständnis „große Möglichkeiten, besser zueinander zu finden“. Im Blick auf das Amtsverständnis gehe schließlich es auch um die Rolle von Nicht-Ordinierten und Frauen in der Kirche. Jung: „Da sind beide Kirchen seit der Reformation unterschiedliche Wege gegangen. Gemeinsam ist uns aber des Entscheidende: Wir glauben, in Christus miteinander verbunden zu sein. Deshalb heißt für mich die entscheidende Frage: Wie können wir diese Einheit in Vielfalt miteinander leben? Wir müssen dazu nicht eine Kirche werden und auch nicht überall eine Gemeinde vor Ort. Aber wir können gemeinsam in Wort und Tat in dieser Welt leben, was wir durch Jesus Christus glauben, nämlich, dass Gottes Liebe allen Menschen gilt.“

via EKHN

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