Amtswechsel in Kassel: Kurhessen-Waldeck hat eine neue Bischöfin

Historisches hat sich am 29. September in Kassel ereignet: Die benachbarte kurhessische Kirche hat mit Beate Hofmann erstmals in der Geschichte eine Bischöfin. Mit ihrem Amtsvorgänger Martin Hein verlässt ein "Spielmacher der Kooperation" das Feld, sagt Hessen-Nassaus Kirchenpräsident Volker Jung

Predigt: Bischöfin Dr. Beate Hofmann - Mit einem feierlichen Gottesdienst wurden in der Martinskirche in Kassel am 29.09.2019 Bischof Prof. Dr. Martin Hein in den Ruhestand verabschiedet und Bischöfin Prof. Dr. Beate Hofmann in ihr Amt als Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck eingeführt.

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung hat den scheidenden Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Martin Hein, als „Spielmacher der Kooperation“ zwischen den beiden benachbarten Kirchen gewürdigt. Anlässlich des Amtswechsels an der Spitze der EKKW sagte Jung am Sonntag (29. September) in Kassel: „Ohne dem Urteil späterer Historikerinnen und Historiker vorweggreifen zu wollen, lässt sich sagen: Martin Hein wollte die engere Kooperation der beiden Kirchen und er hat viel dafür getan.“ Den Impuls dazu habe der Deutsche Evangelische Kirchentag 2001 in Frankfurt gegeben, so Jung. Nach dem Schlussgottesdienst sei es in den „Katakomben des Waldstadions“ gewesen, dass Hein seinen Vorsatz zur stärkeren Zusammenarbeit gefasst habe.
 

Wir stehen vor gemeinsamen Herausforderungen

Der Kirchenpräsident wünschte der Nachfolgerin Heins, Bischöfin Beate Hofmann, Gottes Segen. Jung sei „gespannt darauf, wie Sie Ihr Amt führen werden und welche Akzente Sie setzen werden. Wir stehen vor vielen gemeinsamen Herausforderungen“. Er wies jedoch Spekulationen von einem nahestehenden Zusammenschluss zwischen den beiden Kirchen von sich. Jung: „Eine Fusion steht aus meiner Sicht nicht an. Aber es gibt noch manches, was wir besser gemeinsam tun können. In den nächsten beiden Jahren werden die Vorbereitungen auf den Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt einigen Raum einnehmen Auch hier haben wir Gemeinsames verabredet. Und wenn die Anzeichen nicht täuschen, könnte das Waldstadion wieder ein bedeutender Ort sein.“


Hintergrund Bischofswechsel

Mit Bischof Martin Hein wurde am Sonntag der dienstälteste evangelische Bischof nach 19 Jahren Amtszeit in den Ruhestand verabschiedet. Beate Hofmann tritt am 1. Oktober offiziell seine Nachfolge an. lm Mai dieses Jahres war die 55jährige Professorin für Diakoniewissenschaft und -management an der kirchlichen Hochschule Bethel mit großer Mehrheit von der Landessynode zur neuen Bischöfin der EKKW gewählt worden. Viele Gäste aus Politik, Gesellschaft, Kirche und weltweiter Ökumene waren zum Gottesdienst geladen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Heinrich Bedford-Strohm, führte durch den Gottesdienst. Grußworte hielten unter anderem Ministerpräsident Volker Bouffier für das Land Hessen und Ministerpräsident Bodo Ramelow für den Freistaat Thüringen.
 

Wortlaut

Grußwort Kirchenpräsident Volker Jung zum Amtswechsel am 29. September 2019

Die eine ist „von“, die andere ist „in“. Beide sind in Hessen, aber nicht nur. Da gibt es noch Gebiete in Thüringen und Rheinland-Pfalz. Die eine hat einen Bischof, jetzt eine Bischöfin. Die andere einen Kirchenpräsidenten und eine Stellvertretende Kirchenpräsidentin. Da lässt sich viel sagen über die EKKW und die EKHN - über die historischen Wurzeln, die bis in das 16. Jahrhundert zurückreichen, über die Verbindungen und natürlich auch über Verschiedenes. Manchmal mit wirklichem Hintergrund und manchmal als liebevoll gepflegtes Narrativ - wie es halt unter Nachbarn oder auch Geschwistern so üblich ist. Immerhin wird gern von Schwesterkirchen geredet.

Die Geschichte der Beziehung hat eine lange Tradition. Eine gemeinsame Marburger Konferenz, ein regelmäßiges Treffen der Kirchenleitungen, gibt es seit 1926. Die Amtszeit von Bischof Martin Hein war im Blick auf die Zusammenarbeit beider Kirchen allerdings programmatisch. Ohne dem Urteil späterer Historikerinnen und Historiker vorweggreifen zu wollen, lässt sich sagen: Martin Hein wollte die engere Kooperation der beiden Kirchen und er hat viel dafür getan. Den Ursprung dafür  datiert er selbst so: Nach dem Abschlussgottesdienst des Deutschen Evangelischen Kirchentages im Jahr 2001 entstand in einer gemeinsamen Gesprächsrunde mit Geschwistern in den Leitungsämtern von Diakonie und Kirche der Vorsatz: mehr Zusammenarbeit.  Und er erzählt auch immer gern, dass dies an einem Ort war, der ihm als jemand, der in Frankfurt aufgewachsen und Abitur gemacht hat, bis auf den heutigen Tag viel bedeutet. Es war in den Katakomben des Waldstadions. Deshalb liegt es nahe zu sagen: Martin Hein war ein Spielmacher der Kooperation.

Heute gibt es eine gemeinsame Diakonie der beiden Kirchen, es gibt ein gemeinsames Religionspädagogisches Institut in Marburg, ein gemeinsames Zentrum Oekumene in Frankfurt und viel Kooperation in unterschiedlichen Arbeitsbereichen. Es gibt vor allem viel Vertrauen - bis hin zu gemeinsamen Pastoralkollegs und Zusammenarbeit von Kirchengemeinden und Dekanaten. Lieber Martin, im Namen der Kirchenleitung der EKHN, im Namen des Präses unserer Synode Dr. Oelschläger und persönlich danke ich Dir für die Impulse, die von Dir ausgingen, und das so geschwisterliche, vertrauensvolle und freundschaftliche Miteinander. Wir wünschen Dir, Deiner Frau Ruth und all Euren Lieben Gottes Geleit und Segen für Euren weiteren Weg! Bleibe auch der EKHN verbunden. Ich freue mich, dass als besonderes Zeichen der Verbundenheit ein gemeinsamer Besuch im Stadion in den Kalendern steht.

Sehr geehrte Frau Bischöfin, liebe Schwester Hofmann, für die EKHN grüße und begrüße ich Sie als neue Bischöfin hier in Kassel! Wie wichtig die Verbindung zu unserer Schwesterkirche für uns ist, haben Sie sicher schon gespürt. Wir sind gespannt darauf, wie Sie Ihr Amt führen werden und welche Akzente Sie setzen werden. Wir stehen vor vielen gemeinsamen Herausforderungen, von denen auch im Gottesdienst schon die Rede war. Ich bin überzeugt, dass es gut ist, die Zusammenarbeit zwischen unseren Kirchen weiter zu pflegen und auch noch zu vertiefen. Um allen Spekulationen vorzubeugen: Eine Fusion steht aus meiner Sicht nicht an. Aber es gibt noch manches, was wir besser gemeinsam tun können. In den nächsten beiden Jahren werden die Vorbereitungen auf den Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt einigen Raum einnehmen. Auch hier haben wir Gemeinsames verabredet. Und wenn die Anzeichen nicht täuschen, könnte das Waldstadion wieder ein bedeutender Ort sein. Mal sehen! Ich freue und mit mir viele in der EKHN freuen sich auf die Zusammenarbeit und die Begegnungen mit Ihnen. Gott segne Sie, Ihren Mann, die Menschen an Ihrer Seite und Ihren Dienst!

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