Kirchenpräsident erschüttert über Einschränkungen der kirchlichen Arbeit in Belarus

Die Situation in Belarus spitzt sich auch für Partnerorganisationen der hessen-nassauischen Kirche zu. Kirchenpräsident Volker Jung hofft weiter auf eine friedliche Lösung der Krise und setzt auf das Engagement der Kirchen im osteuropäischen Land.

Volker Jung (2.v.r.) an der belarussischen Gedenkstätte beim Vernichtungslager von Maly Trostenez 2018.

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, hat sich am Donnerstag besorgt über die Lage in Belarus gezeigt. Die hessen-nassauische Kirche unterstützt seit über 30 Jahren Versöhnungs-Initiativen und Hilfsorganisationen in dem osteuropäischen Land. Von belarussischen Partnerorganisationen habe er in den vergangenen Tagen „erschütternde Nachrichten“ erhalten. So würden kirchliche Vermittlungsversuche in der Krise als politische Einmischung diffamiert. Kirchliche Aktivitäten würden von Einschränkungen bedroht. Zudem sei der Erzbischof der katholischen Kirche Tadeusz Kondrusiewicz ungeachtet seiner belarussischen Staatsbürgerschaft die Rückkehr in sein Land verweigert worden. Jung würdigte zugleich den Mut beispielsweise der Mitarbeitenden des Rehabilitationszentrums für Kinder „Nadeshda“ bei Minsk, mit dem die hessen-nassauische Kirche enge Verbindungen unterhält. Sie hätten in einem Offenen Brief die politischen Missstände in Belarus wie etwa den mutmaßlichen Betrug bei der Präsidentschaftswahl und die Unterdrückung friedlicher Proteste kritisiert.

Hoffnung auf friedliche Lösung der Krise

Jung hoffe darauf, dass die Menschen in Belarus „Wege für eine friedliche Lösung der Krise finden, um gemeinsam eine gute Zukunft für das Land zu gestalten“. Er setze auch auf ein „Ende der Repressionen und auf neue vertrauensbildende Maßnahmen, um die derzeitige Spaltung innerhalb der Gesellschaft zu überwinden“. Jung dankte ausdrücklich den Geistlichen aller Kirchen und Religionsgemeinschaften in Belarus, „die sich in dieser schwierigen Zeit klar und deutlich gegen die Anwendung von Gewalt sowie für einen konstruktiven Dialog und Versöhnung aussprechen“.

Hessen-Nassau fördert Versöhnungsprojekte in Belarus

Die EKHN unterstützt seit drei Jahrzehnten Aussöhnungsprojekte in Belarus. Dieses Engagement ist getragen von dem Motiv, angesichts der deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg zur Versöhnung und Verständigung zwischen Belarus und Deutschland beizutragen. Die EKHN ist besonders in Minsk in Kooperation mit dem Internationalen Bildungswerk (IBB) engagiert und fördert Aufenthalte und Erholungsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche im Gesundheitszentrum „Nadeshda“. Dazu gehört auch die Hilfe für Menschen, die von den langfristigen Folgen der Atomkatastrophe von Tschernobyl betroffen wurden.  Hessen-Nassau ist darüber hinaus beteiligt an der Aktion „Hoffnung für Osteuropa“, die seit Jahrzehnten diakonische und soziale Projekte, sowie Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit begleitet und fördert. Ebenso unterstützt die EKHN noch lebende Zeitzeuginnen und Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs. Ein besonderes Zeichen für das Engagement war 2018 auch die Errichtung der Gedenkstätte am Vernichtungslager Maly Trostenez. Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung gehörte bei der Eröffnung des Erinnerungsortes zur deutschen Delegation um Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

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