Trauer um Bettina Kratz

Initiatorin für neues Verhältnis zum Judentum gestorben.

Bettina Kratz

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und das Zentrum Oekumene trauern um Bettina Kratz. Die vielfältig ehrenamtlich engagierte Bad Homburgerin starb im Alter von 90 Jahren bereits am 16 Juni, wie die Angehörigen am Freitag mitteilten. Auf ihre Initiative hin hatte die EKHN vor fast 30 Jahren das Verhältnis zum Judentum völlig neu bestimmt. Durch ihren Einsatz nahm die hessen-nassauische Kirche nach einer intensiven Debatte in der Synode 1991 einen Passus in ihre Grundordnung auf, die die Verbundenheit zum Judentum klar benennt. Für dieses Engagement wurde sie Im Jahr 2000 mit der Martin-Niemöller-Medaille ausgezeichnet, der höchsten Würdigung der EKHN. Kratz erhielt auch des Bundesverdienstkreuz am Bande.

Anerkennung bis in Wissenschaft

Nach Worten des Präses der EKHN-Kirchensynode, Ulrich Oelschläger, hat „Bettina Kratz in der Synode ihre ganze Kraft für die Erweiterung des Grundartikels unserer Kirchenordnung um das Bekenntnis zur bleibenden Erwählung der Juden eingesetzt“. „Wir verdanken Bettina Kratz die Grundlage für all unsere öffentlichen Äußerungen über unser Verhältnis zum Judentum“, so Oelschläger. Es bleibe „ihr Verdienst, dass die hessen-nassauische Kirche ihr Verhältnis zum Judentum theologisch aufgearbeitet hat und sich von einer durch Blindheit und Schuld geprägten Vergangenheit distanzierte.“ Damit habe Kratz auch dazu beigetragen, dass zwischen den Religionen „Gesprächskontakte auf Augenhöhe entstehen konnten und dass sich zum Beispiel die Kirchensynode im Rahmen der Lutherdekade klar von Luthers späten Judenschriften distanzierte“. Bettina Kratz habe damit „weit über unsere Landeskirche hinaus deutliche Spuren hinterlassen, die auch bei unseren jüdischen Geschwistern und nicht zuletzt in der theologischen Wissenschaft hohe Anerkennung gefunden haben“, so Oelschläger.  

Vorbild für alle Frauen

Die Stellvertretende Kirchenpräsidentin der EKHN, Ulrike Scherf, hatte anlässlich ihres 90. Geburtstags im November die besonderen Verdienste gewürdigt. So sei es ein „überaus weitsichtiger Impuls“ von Bettina Kratz gewesen, die bleibende Erwählung der Juden und Gottes Bund mit ihnen in den Grundartikel unserer Kirche aufzunehmen. Auch mit ihrem „Engagement in der Gesellschaft für jüdisch-christliche Zusammenarbeit unterstrich sie die Verbundenheit und Solidarität mit allen Jüdinnen und Juden“, so Scherf. Angesichts des zunehmenden Antisemitismus sei die Initiative von Kratz von „grundlegender Dimension und zugleich erschreckender Aktualität“. Gleichzeitig habe sich Kratz in ihrer ehrenamtlichen Arbeit beispielsweise in der Kirchensynode der EKHN stets als „kluge, starke und mutige Frau gezeigt“. Sie seid deshalb bis heute ein „Vorbild für viele Frauen, die sich aktiv in die Gestaltung der EKHN eingebracht und unsere Kirche mitgeprägt haben.“

Zur Person

Bettina Kratz wurde am 2. November 1929 in Pommern geboren. Nach dem Krieg studierte sie Mathematik und Theologie. Danach arbeitete sie als Pädagogin und war mehr als 40 Jahre lang Lehrerin für Mathematik und Religion sowie Studiendirektorin an der Bad Homburger Humboldtschule. 1959 begann ihr intensives ehrenamtliches Engagement in der evangelischen Kirche mit der Wahl in den Kirchenvorstand der Bad Homburger Erlöserkirchengemeinde. Wenig später wurde sie in die Dekanatssynode gewählt, wo sie zeitweise den stellvertretenden Vorsitz übernahm. In der Kirchensynode der EKHN war sie von 1984 bis 1991 Mitglied. Sie engagierte sich zudem intensiv in der Evangelischen Akademie Arnoldshain, wo sie mehr als 20 Jahre lang Mitglied in den Entscheidungsgremien Kleinen Konvent und Großer Konvent war. Ein wichtiges Thema war für sie stets die Beschäftigung mit dem jüdischen Glauben. So engagierte sie sich unter anderem in der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Für ihr vielfältiges Engagement auch über die Kirche hinaus erhielt sie 2012 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Sie starb am 16. Juni in Bad Homburg.

via EKHN

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