Evangelische Kirche setzt klares Signal für Friedensethik

Synode der EKHN verabschiedet Positionspapier einstimmig

Friedensdemo am Fliegerhorst in Büchel (Eifel) wo derzeit etwa 20 US-amerikanische Atomwaffen vom Typ B-61 lagern

Knapp 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und in Zeiten zunehmender kriegerischer Auseinandersetzungen in vielen Teilen der Erde, hat die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) am Donnerstag einstimmig ein Positionspapier zur Friedensethik verabschiedet. Der Text unter dem Titel „Kirche des gerechten Friedens werden“, soll  Gemeinden und kirchliche Handlungsfelder dazu ermutigen, sich mit Wegen zu weltweitem und gesellschaftlichem Frieden auseinanderzusetzen und eigene Schritte zu gehen.

Zivile Konfliktlösung hat Vorrang

Das Positionspapier sieht es als vorrangig an, zivile Konfliktlösungen auf den Weg zu bringen. Solche Strategien setzten „die biblische Friedensbotschaft in konkretes Handeln um“. Dieser Ansatz solle „in allen Bereichen unserer Arbeit, vom Engagement der Kirchengemeinden und Dekanate bis hin zu gesamtkirchlichen Stellungnahmen gegenüber“ gelten. Auch die zivile Friedenssicherung solle gestärkt werden. Dies sei gerade in Zeiten wichtig, in denen europäische Staaten wie Deutschland ihre Verteidigungshaushalte deutlich aufstocken.

Atomwaffen sind zu ächten 

Zudem sollten Atomwaffen und autonome Waffensysteme geächtet werden, so das Papier weiter. Die technische Hochrüstung entspreche „einer Haltung, die meine, durch Abschreckung und durch militärische Überlegenheit Sicherheit herstellen zu können“. Atomwaffen blieben jedoch Massenvernichtungsmittel. Ihre Herstellung, Bereitstellung und ihr Einsatz seien zu ächten. Auch Deutschland solle den Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen (UN) unterzeichnen, fordert die Stellungnahme.

Minderjährige Soldaten nicht an Waffen

Mit Sorge beobachtet das Positionspapier, dass auch in der Bundeswehr minderjährige Soldatinnen und Soldaten an der Waffe ausgebildet werden. „Wir schließen uns der UN-Kinderrechtskonvention an und unterstützen gemeinsam mit „Brot für die Welt“ Aktionen des „Deutschen Bündnisses Kindersoldaten“ sowie des Bündnisses „Unter 18 nie!“ von Pax Christi, Terre des hommes und weiteren Organisationen“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Zugleich solle die Einladung von Jugendoffizieren aus der Bundeswehr in den Unterricht mit der Einladung von Referentinnen und Referenten aus den verschiedenen Bereichen der Friedensarbeit verbunden werden. Daneben müsse der Dialog mit der Bundeswehr verstärkt werden.

Friedensethische Tradition der EKHN

Bei der Einbringung des Entwurfs hatte Hessen-Nassaus Stellvertretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf zuletzt an die Tradition des friedenspolitischen Einsatzes in der hessen-nassauischen Kirche erinnert. „Es gehört von Anfang an zum Profil der EKHN, sich in aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen aus dem Glauben an den dreieinigen Gott heraus zu engagieren und Stellung zu beziehen“, sagte sie. Nach Worten Scherfs ist der Widerstand des ersten Kirchenpräsidenten Martin Niemöller gegen die Wiederbewaffnung im Nachkriegsdeutschland das bekannteste Beispiel. Darüber hinaus kennzeichneten viele Aktivitäten und Stellungnahmen zu friedensethischen Fragen im Zusammenhang mit der atomaren Bewaffnung, zur Startbahn-West oder zu Waffenexporten das Engagement der EKHN.

Der komplette Entwurf des friedenethischen Papiers im Internet

via EKHN

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