Rabbiner Anton Goodman von Rabbis for Human Rights war am 24. November zu Gast im Zentrum Oekumene. Im Gespräch mit Pfarrer Dr. Dr. Peter Noss, Referent für den interreligiösen Dialog - Schwerpunkt Judentum und Naher Osten - gewährte er eindrucksvolle Einblicke in die Arbeit seiner Organisation, die derzeit unter besonders schwierigen Rahmenbedingungen erfolgt.
Die in Jerusalem ansässige Organisation Rabbis for Human Rights engagiert sich seit 1988 (5749) für den Schutz der Menschenrechte sowie für ein friedliches Zusammenleben von Israelis und Palästinensern in Israel und im Westjordanland. Ihr gehören über 170 Rabbinerinnen und Rabbiner aus unterschiedlichen religiösen Strömungen und Traditionen an. Die Organisation arbeitet bewusst überparteilich und versteht sich als moralische Stimme im öffentlichen Diskurs.
Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Menschenrechtsbeobachtung in Israel und den besetzten Gebieten, insbesondere im Westjordanland. Darüber hinaus begleiten internationale Freiwillige palästinensische Familien bei der Olivenernte. Diese Unterstützung ist in den vergangenen Jahren zunehmend notwendig geworden, da Übergriffe durch national-religiöse Siedler deutlich zugenommen haben. Gewalt wird dabei häufig in Kauf genommen, während der Schutz durch das israelische Militär vielfach als unzureichend erlebt wird. Vor diesem Hintergrund betonte Goodman die große Bedeutung internationaler Solidarität und Unterstützung.
Die politische Gesamtlage in Israel beschrieb Goodman als angespannt. Die für 2026 geplanten Parlamentswahlen seien von hoher Relevanz, da die derzeitige Regierungskoalition mit Beteiligung rechts-nationaler Kräfte eine erhebliche Herausforderung für die israelische Gesellschaft darstelle, die zugleich durch eine große kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt geprägt sei.
Neben ihrer menschenrechtlichen Arbeit initiieren Rabbis for Human Rights regelmäßig interreligiöse Begegnungen in Jerusalem, an denen Christinnen und Christen, Jüdinnen und Juden sowie Musliminnen und Muslime teilnehmen. Ziel ist es, den interreligiösen Dialog zu fördern und ein Zeichen für Verständigung und Frieden zu setzen. Darüber hinaus bringt die Organisation eine eigenständige, humanistisch geprägte Auslegung jüdischer Texte in die öffentliche Debatte ein.
Weitere Informationen finden sich auf der Website von Rabbis for Human Rights:
https://www.rhr.org.il/en/about/







