Digitale Klimademo – Klimafreundliches Handeln schafft Zukunft

Anlässlich des 5. Globalen Klimastreiks am 24. April 2020 haben sich haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitende der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) online zur Digitalen Klimademo getroffen. Die Botschaft war: Wir solidarisieren uns mit der Klimabewegung und miteinander für Klimaschutz, Klimagerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung.

Kirchenpräsident Volker Jung bei der Digitalen Klimademo

Video Klimastreik

Beim letzten Globalen Klimastreik Ende November gingen zahlreiche Menschen bundesweit auf die Straßen. In Frankfurt tagte zeitgleich die Synode der EKHN. Im Rahmen des Bündnisses Churches for Future schlossen sich zahlreiche Synodale den Protestesten in der Frankfurter Innenstadt an.

Von der Straße ins Netz

Nun riefen Fridays for Future zum nächsten globalen Klimastreik auf, doch größere Menschenversammlungen sind derzeit nicht möglich. Um dennoch weiterhin für klimagerechtes Handeln zu werben, luden das Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung (ZGV) und das Zentrum Oekumene unter dem Motto #NetzstreikFürsKlima und #ChurchesForFuture ein, sich digital mit der Bewegung zu solidarisieren.

Via Zoom-Konferenz trafen sich dazu etwa 70 Menschen z.B. aus den Bereichen Kindertagesstätten, Kirchenverwaltung, Zentren, Dekanaten sowie aus Kirchengemeinden und von Pfarrstellen.

Klimawandel betrifft die Weltgesellschaft

Die Leiter des Zentrums Gesellschaftliche Verantwortung, Christian Schwindt, und des Zentrums Oekumene, Detlev Knoche, begrüßten die Teilnehmenden. Christian Schwindt erinnerte an die Krise hinter der Krise und daran, wie dringlich die Transformation der Weltgesellschaft hin zur Nachhaltigkeit sei. Detlev Knoche betonte, Klimaschutz sei eine Querschnittsaufgabe aller kirchlichen Arbeitsbereiche. Im Kontext der Ökumene wird die Notwendigkeit des Einsatzes für die Bewahrung der Schöpfung besonders deutlich, wenn man Berichte aus den Partnerkirchen hört. Ob drastische Ernteausfälle in Indien oder die Zerstörung der Korallenriffe auf der indonesischen Halbinsel Sulawesi – der Klimawandel hat auf das Leben der Menschen in diesen Ländern längst alltägliche Auswirkungen.

Theologisch-ethische Einordnung

Hubert Meisinger, Referat Umwelt & Digitale Welt am ZGV, beleuchtete die Klimademo aus theologisch-ethischer Sicht. Das biblische Liebesgebot beziehe sich nicht nur auf den Nächsten sondern sei universal auszuweiten. Schritte vom Reden zum Handeln seien notwendig. Für Klimaschutz einzustehen setzt voraus, dass der Gedanke der Klimagerechtigkeit zum Prinzip allen Handelns und somit auch des kirchlichen Handelns wird.

Impulsbeiträge

Für Nina Seelbach, Zentrale Beschaffung in der EKHN, ist nachhaltige Beschaffung nicht so schwer: "Fangen Sie mit Produkten an, die sowieso neu beschafft werden müssen", lautet ihre Empfehlung.

Aus der Kirchengemeinde Bad Schwalbach berichteten Matthias Binding und Martin Heine über ihre Erfahrungen mit dem Projekt Grüner Hahn. Das Umweltmanagementsystem hilft Kirchengemeinden, umweltfreundliches und nachhaltiges Handeln alltäglich zu leben. Schwerpunkte sind der bewusste Umgang mit Energie, Wasser und anderen Ressourcen sowie der Einkauf ökologischer und fairer Lebensmittel und Produkte. Die Kirchengemeinde Bad Schwalbach war 2013 die erste Gemeinde in der EKHN mit dem Zertifikat „Grüner Hahn“.

Der Videobeitrag der Jugendbildungsreferentin Kristina Eifert aus dem Dekanat Vogelberg machte deutlich, dass im Klimathema viel jugendpolitische Power und Kreativität steckt und es heute gilt, Jugendliche in ihrem Engagement zu unterstützen. Dass dies durchaus Spaß macht, zeigte der Film deutlich.

Christiane Heisack, Kirchenvorstandsmitglied der Friedensgemeinde Kelsterbach, erzählte von den Projekten, die ihre Gemeinde zur Fairen Gemeinde machen. Um die Auszeichnung "Faire Gemeinde" zu erhalten, muss der Kirchenvorstand eine Selbstverpflichtung unterzeichnen und im Gemeindebrief und/oder in den lokalen Medien darüber informieren, dass die Kirchengemeinde künftig den fairen Handel unterstützt. Außerdem soll jährlich mindestens eine Bildungsveranstaltung zum Thema "Faires Handeln bei uns und weltweit" durchgeführt werden.

Michael Vollmer, Präses des Dekanats Vorderer Odenwald und Mitglied im Klimaschutzbeirat der EKHN, berichtete vom umfangreichen Engagement seines Dekanats für den Klimaschutz und von der Arbeit des Beirats. Sein Appell: „Wir müssen den epochalen Einschnitt, zu dem Corona uns zwingt, nutzen, um unsere Gesellschaft, unsere Kirche und unser Leben endlich im Sinne und zum Erhalt unserer Schöpfung zu erneuern.“

Kirchenpräsident Volker Jung im Interview: Verantwortung für den Klimaschutz im Alltag

Kirchenpräsident Volker Jung sieht im Engagement für Nachhaltigkeit eine Grundhaltung, die es weiter zu entwickeln gilt. Er forderte, die Verantwortung für den Klimaschutz im Alltag zu leben. Partizipation des*der Einzelnen stehe für ihn dabei an erster Stelle. Auch die Verantwortung für die Länder, mit denen z.B. kirchenpartnerschaftliche Verbindungen bestehen, sei ihm wichtig. Fazit: Er möchte Mut machen, sich zu engagieren - niemand kann alleine seinen Glauben leben, gemeinschaftlich lässt sich mehr gestalten. Jede*r Einzelne ist gefragt.

Jahrestag Rana Plaza

Helmut Törner-Roos, Referent für den Kirchlichen Entwicklungsdienst im Zentrum Oekumene, bedankte sich bei den Teilnehmer*innen und wies darauf hin, dass der 24. April auch der Jahrestag des Einsturzes von Rana Plaza ist. Beim Einsturz der Textilfabrik in Bangladesch starben vor sieben Jahren über Tausend Menschen, mehr als Zweitausend wurden verletzt. Gerade an der Produktion von Kleidung zeige sich, dass Umweltschutz und der Schutz der Mitmenschen untrennbar miteinander verbunden seien.

Zum Abschluss lud die Moderatorin Cassandra Silk, Klimaschutzmanagerin am ZGV, alle Teilnehmenden ein, sich weiter am #NetzstreikFürsKlima von Fridays for Future zu beteiligen.

Ulrike Bohländer

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