Böden sind mehr als nur Fläche

Boden ist weit mehr als nur Nutzfläche. Boden ist ein lebendiges System, das die Menschen trägt und ernährt  - dies wurde klar beim Filmabend in der Büdinger Marienkirche am vergangenen Freitag. Gezeigt wurde zunächst der Film „Der Bauer mit den Regenwürmern“, der die Biobauern Sepp und Irene Braun und ihren schonenden Umgang mit der Ressource Boden porträtiert.

 

Im anschließenden Filmgespräch, moderiert von Pfarrer Dr. Peter Kristen, verlieh Pfarrer Markus Christ aus Langen-Bergheim seiner Bestürzung über den Umgang der Menschen mit der Erde Ausdruck. Lebendiger Boden werde zu bloßer Fläche degradiert und wirtschaftlichen Interessen unterworfen. Sichtbar werde dies auch in der Region, wo bestes Ackerland in großem Umfang mit riesigen Gewerbegebieten und Logistikzentren bebaut werde.

Regenwürmer erhöhen die Bodenfruchtbarkeit

In einem kurzen Einspielfilm wies Bodenkundlerin Dr. Maren Heincke, Referentin für Stadt- und Landentwicklung bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, auf die vielfältigen Funktionen der Böden hin: “Böden sind lebendige Organismen. Sie geben uns Nahrung und reines Wasser, sie sind wichtig für die Klimaregulierung und Heimat unzähliger Lebewesen“, so Heincke. Böden seien keine Fläche, sondern dreidimensionale Naturkörper. Eigentlich seien sie sogar vierdimensional, führte Heincke weiter aus. Schließlich spiele auch die Zeitdimension eine Rolle, da die Böden, auf denen wir leben, über 10.000 Jahre alt seien.

Biolandwirt Rainer Vogel aus Nidderau nannte den generationenübergreifenden Umgang mit dem Boden eine zentrale Fragestellung. Er wies zudem darauf hin, dass es sich bei der globalen Ernährungssicherung nicht um ein Erzeugungs- sondern vielmehr um ein Verteilungsproblem handle. Auch stellte er fest, dass die Menschheit überwiegend nicht von der industriellen Landwirtschaft, sondern von kleinbäuerlichen Betrieben ernährt werde.

Der Büdinger Pfarrer Andreas Weik erläuterte, dass rechnerisch jeder Mensch in Deutschland 600 Euro jährlich an Subventionen für die Landwirtschaft bezahle. Er forderte ein politisches Umdenken weg von der rein flächenbezogenen Subventionierung. Weik betonte die hohe Wichtigkeit des Themas Flächenverbrauch und dass daran unbedingt weitergearbeitet werden müsse.

Abschließend kritisierte Pfarrer Markus Christ den immensen Flächenimport, den die Menschen in den Ländern des globalen Nordens durch ihre Lebensweise und ihren Konsum betreiben. Durch den Import von Lebens- und Futtermitteln aus den Ländern des globalen Südens würden dort die Flächen für die Ernährung der Menschen knapp. „Wir leben auf Kosten anderer“, so Christ.

Der Gesprächsabend war Teil der Veranstaltungsreihe „Von Büdingen bis Bangladesch – Wie wollen wir leben?“. Diese wurde von der Evangelischen Kirchengemeinde Büdingen gemeinsam mit Brot für die Welt ins Leben gerufen und wird gefördert von Mitmischen – Demokratie leben! Am Sonntag, den 29.11.2021 wird die 63. Spendenaktion Brot für die Welt in Hessen und Nassau und Kurhessen-Waldeck mit einem Festgottesdienst in der Marienkirche Büdingen eröffnet.

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