Preis "Courage beim Atomausstieg" an ehemaligen japanischen Premierminister Naoto Kan verliehen

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02.05.2016

Preisverleihung im Römer in Frankfurt am Main

Naoto Kan unterwegs im Velo-Taxi

Am 30. April 2016 verliehen die Stadt Frankfurt und die EKHN mit Unterstützung der deutschen Sektion der "International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA) den von den Elektrizitätswerken Schönau (EWS) gestifteten Preis "Courage beim Atomausstieg" an S.E. Naoto Kan, den ehemaligen Premierminister Japans. Er war im März 2011 im Amt, als sich die TEPCO-Atomkatastrophe in der Präfektur Fukushima ereignete. Durch sein entschlossenes Handeln konnte er Schlimmeres verhindern, denn die damalige Atom-Aufsichtsbehörde war unfähig und die Tepco-Direktoren hielten ihn zu lange im Dunkeln und wollten sogar die Arbeiter aus dem Reaktor abziehen. Daraufhin reiste Kan zum zerstörten AKW und machte sich vor Ort kundig, um die weiteren Notmaßnahmen einzuleiten und Tepco in der Verantwortung zu behalten. Infolge dieser Erfahrungen wurde Kan zum entschiedenen Gegner der Atomenergie, er ließ sämtliche AKWs abschalten und begann, eine Energiewende in Japan einzuleiten. Infolge von Wahlen wurde Kan jedoch durch Shinzo Abe abgelöst, der zwei AKWs in einem von Erdbeben gefährdeten Gebiet anschalten ließ.

Kan wurde geehrt für sein radikales Umdenken in der Atompolitik und sein entschiedenes Eintreten für erneuerbare Energien. Er selbst wohnt in einem Passivhaus. Das Begleitprogramm von Kans Reise umfasste am 28. April einen Besuch bei der Firma SMA Solar Technology in Kassel sowie Gespräche mit Vertretern des "Verbandes kommunaler Unternehmen" anlässlich ihrer Konferenz "Energieerzeugung im Rahmen der Energiewende". Am Abend dieses Tages wurde er in Mainz von Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland Pfalz, zum Gepräch empfangen, und anschließend hielt er einen Vortrag zum Thema "Die Tepco-Atomkatastrophe 2011 und Konsequenzen für die japanische Energie-Politik" im Festsaal der Staatskanzlei. Diese Veranstaltung organisierte das ZOE in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland Pfalz. Prof. Frank Rövekamp (Ostasieninstitut der Hochschule Ludwigshafen) und Übersetzer von Kans Buch source Als Premierminister während der Fukushima-Krise (2015) führte ihn zuvor ein mit dem Beitrag "Naoto Kan: Vom Bürgeraktivisten zum Premierminister und zurück". Am 29. April fuhr Kan nach Schönau, wo er von Sebastian Sladek, dem Geschäftsführer von EWS, über deren Struktur und Tätigkeit informiert und vom Bürgermeister zum Ehrenbürger der Stadt Schönau ernannt wurde.

Am 30. April stellte sich Kan zuerst den Fragen der deutschen und japanischen Medien, danach fand die Preisverleihung im voll-besetzten Kaisersaal des Römers statt. Nach den Begrüßungsreden von Stadträtin Rosemarie Heilig (Dezernentin für Umwelt und Gesundheit) und Pfarrer Dr. Achim Knecht (Stadtdekan von Frankfurt) hielt der ehemalige Bundes-Umweltminister Jürgen Trittin die Laudatio. In seiner Dankesrede wies Kan darauf hin, dass die Versorgung durch überall verfügbare erneuerbare Energien die militärischen Konflikte um Energieresourcen beende. Daher habe die Energiepolitik wichtige friedenspolitische Implikationen. Er selbst wolle jetzt eine genossenschaftliche Energieversorgung nach dem Vorbild von EWS in Japan aufbauen und das Preisgeld dafür verwenden. Unter brausendem Beifall übergab Seabstian Sladek (EWS) die Urkunde des Preises. Anschließend fand der Empfang im Ratskeller statt, der lebhaften Austausch zwischen engagierten Japanern und Deutschen ermöglichte.

go site Am 1. Mai fand eine energie-politische Führung durch den ehemaligen Leiter der kommunalen Energieagentur der Stadt Frankfurt, Dr. Werner Neumann (BUND), statt. Vom "EnergiePlus Haus" in der Speicherstraße fuhren Naoto Kan, seine Begleiter und Journalisten in Velo-Taxen zur "Kreditanstalt für Wiederaufbau", dessen Gebäude nach energetischen Prinzipien konzipiert ist. Den Abschluss bildete einen Besuch des "PassivHaus Scheffeleck", das den Preis "Green Building Award" erhalten hatte. Kan selbst war während seines Aufenthaltes in einem Öko-Hotel untergebracht. Neumann bezeichnete Frankfurt als "Deutschlands Hauptstadt der Energie-Effiziens".

Die in Kooperation von Stadt Frankfurt, EKHN, EWS und IALANA zustande gekommene Ehrung Naoto Kans zeigt, welch große Synergien freigesetzt werden, wenn Kirche ihre Hand über den Tellerrand hinaus streckt und mit Kommunen, ethisch-agierenden Wirtschaftsunternehmen sowie zivil-gesellschaftliche Gruppen zusammenarbeitet. Diese Preisverleihung bedeutet zugleich eine große Ermutigung desjenigen Teils der japanischen Bevölkerung, welche sich für eine Energiewende einsetzt. Hieran sieht man die globalen Wirkungsmöglichkeiten der Kirche, wozu Mitarbeiter des Zentrums Oekumene beitragen konnten.

Wolfgang Buff und Martin Repp; Fotos von Masaya Koriyama


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