Papst Franziskus bezeichnet AKWs als
modernen "Turmbau zu Babel"

23.04.2015

Bischof Taiji übergibt dem Papst die Briefe von Hr. Aizawa und Fr. Oshidori am 20.3.2015. (copyright: Council for Justice and Peace, Catholic Bishops'

In einem Gespräch mit japanischen Bischöfen kritisierte Papst Franziskus die Atomkraft durch einen Vergleich mit dem Turmbau zu Babel, berichtete vor kurzem der Erzbischof von Tokyo, Takeo Okada. Als Menschen versuchten, den Himmel zu erreichen, leiteten sie ihre eigene Vernichtung ein. "Menschen dürfen die von Gott gesetzten Naturgesetze nicht brechen." (Mainichi Shinbun vom 22. März 2015, Asahi Shinbun vom 25. März 2015)

Diese vermutlich erste eindeutige Kritik der "zivilen" Nutzung der Atomkraft des Vatikan äußerte der Papst gegenüber den japanischen Bischöfen, die ihn am 20. März in Rom anläßlich ihres  ad limina Besuches trafen, einer Audienz, zu der sich die Bischöfe eines Landes in der Regel alle fünf Jahre einfinden. "Die Zerstörung der Natur ist ein Ergebnis davon, dass Menschen sich zu deren Herren erheben." Der Papst machte diese Äußerung in Bezug auf die Atomkatastrophe von Fukushima vom März 2011. Die japanischen Bischöfe hatten das sofortige Abschalten der Atomkraftwerke des Landes bereits kurz nach diesem verheerenden Disaster öffentlich gefordert.

Während der Audienz übergab der Vorsitzende des "Rats für Gerechtigkeit und Frieden" der japanischen Bischofskonferenz, Bischof Katsuya Taiji, dem Papst auch die Briefe zweier Aktivisten von Fukushima. (Bild) Der eine Verfasser war Takumi Aizawa,  Angestellter einer Schule aus Iidate Mura, dem am meissten verstrahlten Ort der Präfektur Fukushima, der sich seit der Katastrophe für die Gesundheitsfürsorge der Kinder engagiert. Seit längerem hegt er den Wunsch, dem Papst über die wirkliche Situation der Bevölkerung in der verstrahlten Region zu berichten, da die japanische Regierung, die Behörden, viele Ärzte und Wissenschaftler, sowie die Medien die gefährliche Situation vertuschen. Die zweite Autorin ist Mako Oshidori, eine bekannte Journalistin aus Tokyo, die an den meisten TEPCO-Pressekonferenzen bisher mit kritischen Anfragen teilgenommen hat und regelmäßig in der verstrahlten Region recherchiert.

Herr Aizawa und Frau Oshidori hatten kurz zuvor als Referenten an der vom Zentrum Oekumene organisierten internationalen Tagung über die möglichen "Beiträge religiöser Gruppen zur Energiewende" vom 3.-6. März 2015 in Arnoldshain teilgenommen, auf der auch Prof. Ichiro Mitsunobu S.J. als Vertreter des "Rats für Gerechtigkeit und Frieden" über die Position der katholischen Kirche Japans referiert hatte. Unmittelbar nach der Tagung forderte der Rat die beiden Aktivisten auf, Briefe an den Papst zu verfassen, welche die Bischöfe dann bei ihrer Audienz zwei Wochen später Papst Franziskus übergaben.

Da ein Hauptziel dieser Tagung anlässlich des vierten Jahrestages der TEPCO-Katastrophe in Arnoldshain darin bestand, eine internationale und interreligiöse Vernetzung für den Ausstieg aus der Atomenergie und für den Klimaschutz zu fördern, dürfte sie mit diesen Entwicklungen erste Früchte tragen.

Bisher hatte der Vatikan nur die miltitärische Nutzung der Atomkraft verurteilt. Da der Vatikan Mitglied der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) ist, scheint Papst Franziskus mit seinen kritischen Äußerungen zur zivilen Atomenergie jetzt von der Position seiner Vorgänger gravierend abzuweichen und eine neue Richtung einzuschlagen. Es wird erwartet, dass Papst Franziskus in seiner nächsten Enzyklika zum Schutz der Umwelt auch seine kritische Einstellung zur Atomenergie ausdrücken wird.

Wolfgang Buff  und Dr. Martin Repp


Rede und Antwort stehen
über die Hoffnung, die
in uns lebt.
(nach 1. Petrus 3,15)