ÖRK-Generalsekretär: „Wir brauchen die Weisheit der Schöpfung“



16.11.2017

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In seiner Predigt während eines Gottesdienstes für Klimagerechtigkeit in Bonn, Deutschland, am 12. November hat der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, mehr Weisheit eingefordert. „Wir brauchen Weisheit in unserer heutigen Welt, dringend mehr Weisheit“, sagte er. „Eine Weisheit, die die Wirklichkeit sieht und versteht und die die Zeit erkennt, in der wir leben. Eine Weisheit, die den Mut hat zu sagen, dass wir auf dem falschen Weg sind, und den Mut hat zu handeln und dabei neue Wege zu gehen, damit wir uns gemeinsam auf die Zukunft vorbereiten können.“

Der Gottesdienst fand in der St. Paulus-Kirche unter Vorsitz des Kanonikers Michael Bullock statt. Tveit und die Alt-Bischöfin Bärbel von Wartenberg-Potter wurden am Altar begleitet von Bischof Jan Jansen von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, Pastor James Baghwan von der Methodistischen Kirche von Fidschi und von Pastor Tafue Lusama, dem Generalsekretär der Congregational Christian Church of Tuvalu.

Tveit äußerte sich positiv über die gemeinsame Reise der religiösen Führungskräfte zur 23. Konferenz der Vertragsstaaten (COP23) der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC), die zurzeit vom 6. bis zum 17. November in Bonn, Deutschland stattfindet.

Viele Menschen weltweit haben dieses Jahr das 500. Reformationsjubiläum begangen. „Die Weisheit Gottes“, so Tveit, „ist in dieser Welt tätig und erschafft jeden Tag etwas Neues“.

„Jetzt werden wir daran erinnert, dass die Reformation weitergehen muss“, fügte Tveit hinzu. „Das ist ein Versprechen auch für uns - die Finsternis unseres Unverstandes wird gegen Gottes Licht nicht bestehen. Bei all dem, was hier in Bonn in diesen Tagen geschieht, bei all der Arbeit, die wir als PolitikerInnen, als Zivilgesellschaft und als Menschen im Glauben im Kampf gegen den Klimawandel leisten - es geht immer darum, ob wir Narren oder Weise sind.“

Und er fügte hinzu: „Wir suchen heute nach Weisheit, damit wir diesen einen Planeten pfleglich behandeln, diese Schöpfung Gottes, die uns, unseren Kindern und Enkeln anvertraut wurde, wie sie auch einst unseren Eltern und unseren Vorvätern und Vormüttern anvertraut wurde und allen, was auf diesem Planeten lebt: Tieren, Pflanzen, einfach allen. Wir befinden uns in einer neuen Situation insofern, als die Finsternis auf der Welt, die wir als menschliche Lebewesen erschaffen können, noch finsterer wird.“

Die Menschen innerhalb der ökumenischen Bewegung, so Tveit weiter, hätten einander viele Jahre zugehört. „Wir haben die Weisheit in den Aussagen unterschiedlicher Kulturen und besonders indigener Kulturen verstanden“, sagte er. „Wie können wir zusammenleben, wie können wir miteinander in Frieden und in Frieden mit Gottes Schöpfung leben?“

Wartenberg-Potter erklärte in ihrem Teil der Predigt, dass die Menschen manchmal das Gefühl hätten, nicht Teil der Schöpfung zu sein, sondern darüberzustehen. „Die Wahrheit ist aber: Wenn man die Wissenschaft oder die Theologie fragt, dann lernt man aus den Antworten, wie tiefgreifend wir mit allen Teilen der Schöpfung verbunden sind“, sagte sie.

„Der Mensch ist nicht der Mittelpunkt des Universums, wir sind vielmehr verwoben mit dem großen Bildteppich des Lebens“, fügte Wartenberg-Potter hinzu. „Wir haben eine besondere Verantwortung für diesen Bildteppich. Und in der Tat schwebt die menschliche Spezies in Gefahr, da wir unser eigenes Haus des Lebens zerstören.“

Zu diesem Anlass wurde auch die Botschaft Seiner Allheiligkeit, des ökumenischen Patriarchen Bartholomäus an die UNFCCC COP23 vorgelesen, in der er alle Glaubensgemeinschaften und Führungskräfte in die Pflicht nimmt, die „viel bewirken und Regierungen und Unternehmen davon überzeugen können, sich niemals in Selbstzufriedenheit zu ergehen, sondern ihre Arbeit beständig zu erweitern und zu intensivieren.“

Nach dem Gottesdienst nahmen Tveit und Jansen an der Zwölften Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) teil, die vom 12.-15. November ebenfalls in Bonn stattfindet. Tveit sprach am Abend des 12. November auf der EKD-Synode.

via ÖRK / WCC


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