Nachruf auf Anton Andreas Guha

von Berthold Meyer

source url 13.04.2010

 Der Friedensjournalist

Als am 8. April 2010 der amerikanische Präsident Obama und sein russischer Kollege Medwedew in Prag den „New Start“-Vertrag zur weiteren Reduzierung ihrer Strategischen Kernwaffenarsenale unterzeichneten, hätte Anton Andreas Guha sicher gern einen skeptischen Kommentar dazu verfasst: einerseits begrüßend, dass es endlich wieder einen Abrüstungsvertrag gibt, andererseits kritisch einwendend, dass dieser nur ein kleiner Schritt auf das Ziel einer atomwaffenfreien Welt sei, das Obama ein Jahr zuvor am selben Ort verkündet hatte, und darauf hinweisend, dass der Weg dorthin noch äußerst weit und steinig sein wird. Allein, Guha konnte diesen Kommentar nicht mehr schreiben. Schon zwei Monate vorher verstarb der ehemalige langjährige Redakteur der Frankfurter Rundschau nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 72 Jahren.

 

Guha war im besten Sinne dieses Wortes ein Friedensjournalist. Ich lernte ihn um 1980 in der Zeit der Nachrüstungsdebatte kennen, als er einer der profiliertesten Kritiker der atomaren Aufrüstung war, gegen die er nicht nur in seiner Zeitung, sondern auch in Buchbeiträgen und in seinem Buch „Ende“ mit überzeugenden Argumenten und spitzer Feder zu Felde zog, aber auch auf Podien sein Publikum fesselte. Doch nicht nur die Abrüstung war sein Thema, sondern auch die Überwindung von Diktaturen in Mittel- und Südamerika und die (Wieder-) Herstellung einer gerechten Ordnung in diesen Ländern beschäftigen ihn viele Jahre lang.

 

source url Guha war etwa seit der Zeit seiner Pensionierung Mitglied des Fachbeirates Frieden und Konflikt der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und beteiligte sich aktiv an unserer Arbeit, in der es nicht nur um die Vergabe von Mitteln aus dem Dekade-Fonds zur Überwindung von Gewalt ging, sondern nicht zuletzt um die Weiterführung der Gedanken der Denkschrift der EKD von 2007 „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“. Seine überaus produktiven Denkanstöße werden uns fehlen.

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                                                                                              Berthold Meyer


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