Kirchen legen Vorschläge für einen neuen Ökumenischen Aufbruch vor

09.05.2017

Im Jahr des Reformationsjubiläums 2017 sehen Kirchen die Menschheit vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte und damit am Scheidewege: „Die menschlichen Eingriffe in das Erdsystem bedrohen außermenschliches Leben auf der ganzen Erde und den Fortbestand der menschlichen Zivilisation, wie wir sie kennen“, sagt Dr. Brigitte Bertelmann von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Aus diesem Grunde sei eine sozialökologische Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft hin zur Nachhaltigkeit vordringlich. „Die Voraussetzungen dafür müssen auch Thema im diesjährigen Bundestagswahlkampf sein, es darf nicht nur um Wachstum und Konsum gehen“, meint Bertelmann weiter.„Kirchen und Theologie müssen neue Wege suchen, wie sie sich wirkungsvoller als bisher an der notwendigen sozialökologischen Transformation beteiligen können“, sagt Dr. Georg Stoll vom Bischöflichen Hilfswerk Misereor. „Deshalb legen wir heute Vorschläge für einen neuen Ökumenischen Aufbruch 2030 mit Impulsen zu einem kulturellen Wandel hin zur Nachhaltigkeit vor“, so Stoll bei einer Tagung in der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt in Lutherstadt Wittenberg. „Als Kirchen müssen wir fragen, welche Konsequenzen wir aus der Mahnung von Papst Franziskus ziehen, dass wir dringend ‚in einer mutigen kulturellen Revolution voranschreiten‘ müssen“, unterstreicht der Vertreter des katholischen Hilfswerkes.Die Vorschläge für einen neuen Ökumenischen Aufbruch 2030 wurden im Rahmen des Ökumenischen Prozesses „Umkehr zum Leben – den Wandel gestalten“ mit Hilfe einer interdisziplinären Tagungsreihe erarbeitet, deren Schirmherr Prof. Dr. Klaus Töpfer war. Bei der Tagung in Wittenberg wurden diese Vorschläge auch mit dem Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutsch-land, Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm diskutiert.Er begrüße ausdrücklich den ökumenischen Charakter des Aufbruchs hin zu einer nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweise, so Bedford-Strohm: „Als Kirchen müssen wir eine starke Stimme in der Öffentlichkeit für eine ökologische Transformation sein. Das können wir heute nur noch ökumenisch sein. Und wir müssen noch besser werden, wenn es darum geht, selbst damit voranzugehen. Angesichts der globalen Dimension der damit verbundenen Zukunftsfragen ist das internationale Netzwerk der Kirchen eine starke Kraft, die das weltweite zivilgesellschaftliche Engagement für eine Transformation hin zu Nachhaltigkeit maßgeblich prägen kann.“Die Kirchen und kirchlichen Organisationen regen in einem Impulspapier einen ökumenischen Konsultationsprozess bis 2030 an. „Die Kirchen haben Nachhaltigkeit und Bewahrung der Schöpfung schon vor Jahrzehnten zum dringlichen Thema gemacht. Aber das reicht noch nicht aus: wir sind herausgefordert, uns selbst zu verändern“ sagt Christine Gühne vom evangelischen Hilfswerk Brot für die Welt. „Wir brauchen konkrete Schritte der Umkehr und müssen uns auf die Suche machen nach nachhaltigen Lebensweisen, die in der Einen Welt zukunftsfähig und generationengerecht sind. Das ist eine Angelegenheit der Buße, der Bekehrung und Erneuerung aller christlichen Traditionen und folgt aus der Erfahrung des gnädigen, seine ganze Schöpfung liebenden Gottes, die Luther gemacht hat.“Der Ökumenische Prozess „Umkehr zum Leben – den Wandel gestalten“, in dem die neuen Vorschläge für Kirche und Theologie erarbeitet wurden, wird von 25 Kirchen und kirchlichen Organisationen getragen. Sie setzen sich dafür ein, dass sich Kirchen an der sozialökologischen Transformation zur Nachhaltigkeit beteiligen.

Kontakt, Bezug des Impulspapieres und weitere Informationen: Koordinationsstelle des Ökumenischen Prozesses „Umkehr zum Leben – den Wandel gestalten, Werkstatt Ökonomie e.V., Im WeltHaus, Willy-Brandt-Platz 5, 69115 Heidelberg, Tel.: 06 221 – 433 36 13, 01 76 – 386 716 37, klaus.heidel@woek.de


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