Brief der Heimleiterin des Kinderhospizes in Sibiu/Hermannstadt

Liebe Freunde des Kinderhospizes!

follow url Im August ist es ein Jahr gewesen, seitdem die ersten Kinder zu uns gekommen sind. Der Alltag hält uns gefangen, und man merkt gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht... 

go to link Die Kindergruppen wechseln im Kinderhospiz. Mit ihnen die Geschichten und der Einblick in die vielen kleinen Katastrophen der Sozialarbeit in diesem Land. Es ist schade, dass die Kinder die Leidtragenden sind, wo sie sowieso schon der Krankheiten wegen mehr aushalten müssen.

Die Angst, Entscheidungen zu fällen, lähmen das System. Wenn das Schmerzen und Leiden für Kinder heißt, ist das nicht ganz leicht hinzunehmen.

Vor bald einem Monat kam Cristi, 12 Jahre alt mit seinem Vater bei uns an. Eine einfache Bauernfamilie aus den Westkarpaten. Der Sohn mit epileptischen Anfällen, durch eine Viruserkrankung total dekompensiert.

Kein Krankenhaus wollte ihn: Alba Iulia nicht, Klausenburg verwies nach Hermannstadt, und in Hermannstadt wurde er von einer Abteilung zur anderen geschickt. Cristi hatte schwere Krampfanfälle, schrie stundenlang und schlug um sich. Tagelang hielt der Vater den Sohn im Arm fest versuchte ihn zu beruhigen. Ein Kraftaufwand für diesen Mann, der Schwerstarbeit gewohnt war; die Mutter versuchte derzeit, zu Hause die Wirtschaft aufrecht zu halten. Cristis Leben hing an einem seidenen Faden, weil er nichts mehr essen konnte, zudem noch eine Magenblutung hatte, Atembeschwerden u.u.u. Das Kinderkrankenhaus entschied folglich, ihn ins Kinderhospiz zu schicken.

Cristis Zeit im Hospiz war für ihn und seine Familie buchstäblich Aufatmen. Mit der entsprechenden Behandlung und wohl auch der Atmosphäre wegen, fand er schön langsam zurück ins Leben. Nun, seit einiger Zeit ist er wieder zu Hause, in Ocoale in den Westkarpaten. Nicht gesund, aber ruhig, mit verheilten Wunden und einer Familie, die wieder Kraft zum Pflegen hat und die sich nicht mehr schuldig fühlt, dass ihr Kind schreit und sich nicht beruhigen läßt.

Vladut, sein Zimmerkollege, vermisst ihn und seine Eltern. Er ist alleine und hat es genossen, ein wenig “mit verwöhnt” zu werden. Vladuts sichtbare Wunden beginnen zu vernarben. Er war fast eine einzige große Dekubituswunde, nach langen Krankenhausaufenthalten mit Zwischenstopp im Kinderheim. Seine Eltern haben sich nie gemeldet, seitdem er vor mehr als 2 Jahren zum ersten Mal im Krankenhaus eingeliefert wurde... Manchmal meint man, er will gar nicht mehr kämpfen...

Kinder wie Vladut sind für die Behörden Stolpersteine. Man weiss nicht, wohin mit ihnen. Es gibt keine längerfristigen Lösungen...

Ungeachtet von dem, atmet Ionela (1,6 Jahre alt) seit fast 5 Monaten weiter, mit ungeheuerer Anstrengung 5x – 7x / Minute, und sie lebt noch immer, und wenn ihre Mutter aus Zalau zu Besuch kommt, werden es auch 10 Atemzüge in der Minute.

Nur Daria ist vor 3 Wochen erlöst worden, von Monaten Kampf mit jedem Atemzug, mit Krampfanfällen und einer verschleimten Lunge. An einem Sonntag Vormittag zog sich das Leben zurück. Wir halten daran fest, dass dort, wo sie jetzt ist, kein Absauggerät und keine Schmerzmittel mehr nötig sind...

8 Kinder, teils mit Eltern, öfters aber alleine, betreuen wir regelmäßig. Immer mehr Familien melden sich bei uns in ihrer Not; immer öfter rufen die Krankenhäuser an und überweisen Kinder zu uns... Es ist  das einzige Kinderhospiz im Land, wo Kinder  wochen- oder monatelang auf ihrem sehr kurzen Lebensweg begleitet werden können.

In diesem Jahr durften wir 36 Kinder für eine längere oder kürzere Zeit hier im Kinderhospiz begleiten.

Noch sind nicht alle 10 Betten belegt. Dafür bräuchten wir mehr Personal und  eine bessere Finanzierung. Das bleibt weiterhin recht schwierig.  Wir hoffen, es trotzdem zu schaffen. Je mehr wir uns einarbeiten, umso mehr sieht man von den Nöten der betroffenen Kinder und ihrer Familien.

Es ist gut, dass wir das Kinderhospiz haben.

Danke allen die uns mit unterstützen.

 

Herzliche Grüße,

Ortrun Rhein
Heimleiterin


Rede und Antwort stehen
über die Hoffnung, die
in uns lebt.
(nach 1. Petrus 3,15)

source Ansprechpartnerinnen

see url Birgit Hamrich, Pfarrerin
Referentin für Entwicklung 
und Partnerschaft Europa und USA

Claudia Hadj Said
Sachbearbeiterin